5 Meter Stoff


Was zieht frau am besten bei Feierlichkeiten in Indien an? Diese Frage beantwortete sich uns nach einem schnellen Rundumblick bei der sonntäglichen Messe. Einen Sari.
Fotoshooting mit unserer Mentorin Tulsi
Aber auch Saris fallen nicht vom Himmel. Und so ging es für uns erstmal quer durch Bhopal auf der Suche nach dem Muster der Liebe. In den Einkaufsstraßen drängte sich ein Laden an den anderen: Schuhe, Ohrringe, Armreife, Haarklammern… und eben auch Saris. Nach einiger Zeit wurden wir beide fündig, konnten uns bei der großen Auswahl aber nicht auf einen Sari beschränken. Und so waren wir bald stolze Besitzer von je zwei riesigen Stoffbahnen. Wir waren sofort Feuer und Flamme für eine Anprobe, mussten uns aber noch gedulden: zum Sari gehören auch Unterrock und Saribluse. Diese wird von einer Schneiderin maßgenau angefertigt; der Stoff dafür ist beim Kauf des Saris inklusive.
Damit aus der Stoffbahn nun ein elegantes Kleidungsstück wird, muss frau sich den Stoff auf eine ganz bestimmte Art um den Körper wickeln. Und nein, künstlerische Freiheit ist nicht gegeben. Geht der Rock auch wirklich bis zum Boden? Liegen die Falten richtig? Hat die Schleppe die richtige Länge, und ist sie überhaupt richtig gefaltet? Diese und viele weitere Fragen haben wir uns am Anfang gestellt. Unsere ersten paar Versuche haben stets zu Lachanfällen der Nonnen geführt, woraufhin ausgiebig an uns herumgezupft wurde. Aber mit der Zeit wurden wir immer besser; ich kann stolz von mir sagen, dass sie mich schon einmal ohne herumzuppeln haben ziehen lassen.

Hier ist mein Versuch einer Anleitung zum Tragen eines Saris:
1.       Unterrock anziehen. Er sollte über die Knöchel reichen.
2.       Saribluse anziehen.
3.       Einen Zipfel des Saris in den Unterrock stecken, sodass der restliche Stoff links liegt. Jetzt den Stoff 1-2 Male um den Körper wickeln.
4.       Nun kommen die Pleats: etwa einen halben Meter des Stoffs längs auffalten. Die Falten (Pleats) sollten aufeinanderliegen und etwa 10cm breit sein. 5-7 Pleads reichen aus. Dann die Pleats mit einer Sicherheitsnadel am Unterrock befestigen und die oberen Zipfel in diesen hineinstecken.
5.       Den restlichen Stoff einmal um den Körper wickeln. Jetzt sollten noch etwa 1,70m übrig sein. Über die linke Schulter legen, sodass eine Schleppe hinunterhängt (etwa bis zu den Knien). An der Schulter den Stoff ordentlichen auffalten, sodass er in Falten über den Oberkörper fällt. Die Schleppe über der Schulter an der Saribluse befestigen.

Die Saribluse ist bauchfrei; ob man den Bauch sieht ist also abhängig davon, wie der Sari drapiert ist. Die Nonnen hier legen großen Wert darauf, dass wir Bauch und Rücken gut bedecken. Dafür dürfen wir sogar eine dritte Sicherheitsnadel verwenden; in der Regel werden nämlich nicht mehr als zwei benutzt.

Ein weiterer Aspekt, den frau beim Kauf des Saris wissen sollte: grundlegend wird zwischen zwei Sari-Arten unterschieden. Baumwoll-Saris fallen sehr buschig und können sich beim Tragen steif anfühlen. Saris aus synthetischem Stoff hingegen sind im Alltag praktischer und werden daher von vielen verheirateten Frauen in den Dörfern getragen.
 
Kleiner Tipp zum Schluss: alte, abgetragene Saris lassen sich prima zu Stoffbeuteln vernähen. Ein Upcycling, bei dem auch noch Plastik gespart werden kann!

von Lisa

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